Saarbrücker Zeitung, 08.09.2016

QuelleSaarbrücker Zeitung

Katholiken kämpfen für Kirche

Am Sonntag feiert die Gemeinde rund um Herz Mariä 60. Jahrestag der Kirchweihe

Die Herz-Mariä-Kirche in Dorf im Warndt; im Vordergrund der Pfarrsaal. (Archivfoto: Becker & Brezel)

Die Herz-Mariä-Kirche in Dorf im Warndt; im Vordergrund der Pfarrsaal. (Archivfoto: Becker & Brezel)

Stark im Glauben, gut im Improvisieren, engagiert, zielstrebig, einfallsreich: Mit Nachdruck und zähem Beharren erkämpften sich die Katholiken im Warndtdorf nach dem Zweiten Weltkrieg ihre eigene Pfarrkirche. Am Sonntag feiert die Gemeinde in und um die Kirche Herz Mariä den 60. Jahrestag der Kirchweihe.
 
Dem Ort, entworfen als nationalsozialistische Mustersiedlung für Arbeiter, billigten die Machthaber keine eigene Kirche zu. Den damaligen Bewohnern des Warndtdorfes ging diese Tendenz gegen das religiöse Empfinden. Das hat die ortsansässige Heimatforscherin Ruth Christmann in ihrer umfangreichen Chronik zum mittlerweile 60-jährigen Bestehen der Herz-Mariä-Kirche nachgezeichnet (die Saarbrücker Zeitung berichtete).Im Telegrammstil: Erst fanden die Warndtdorf-Gottesdienste in der so genannten „Keramik“ statt, einem umgewidmetem Fabriksaal am Ortseingang. „Eine Notkirche“, schrieb der damalige Kaplan Rudolf Müller in einem Bittbrief an den saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (genannt „Joho“). In dem Brief schreibt Kaplan Müller zudem: „Der Altar und der Tabernakel sind nur provisorisch. Das Allerheiligste kann noch nicht in der Kirche verbleiben. Es fehlen Paramente und kirchliche Geräte jeder Art, insbesondere Ziborium, Monstranz, Rauchfass, Gefäße für heilige Öle etc. Ein Harmonium ist fürs erste geliehen. Die Wände sind nackt und kahl ohne jeden Schmuck. Der Fußboden ist Stein und Zement, nicht eine Knie- oder Sitzbank ist vorhanden.“Bei diesem Notbehelf sollte es nicht bleiben. Mit der von der Chronistin ausführlich beschriebenen Zielstrebigkeit der katholischen Warndtbevölkerung wurde in den Jahren ab 1955 (dem Tag der Grundsteinlegung), mit viel Eigenarbeit und Sammeleifer die dem „Unbefleckten Herzen Mariens“ gewidmete Kirche erbaut und am Sonntag, 26. August 1956, feierlich eingeweiht. In den folgenden Jahrzehnten mehrfach saniert und renoviert, kamen neue Räumlichkeiten zum eigentlichen Sakralbau hinzu – Kindergarten und Pfarrzentrum mit Saal zum Beispiel.
Modern und anheimelnd: Ein Blick in den Innenraum der Kirche in Dorf im Warndt. (Foto: Sammlung Ruth Christmann)

Modern und anheimelnd: Ein Blick in den Innenraum der Kirche in Dorf im Warndt. (Foto: Sammlung Ruth Christmann)

Fest der Begegnung

Heute gehört die Herz-Mariä-Kirche zur Großpfarrei Heilig Kreuz im Warndt. Und die feiert am Wochenende, 10. und 11. September, pünktlich zum 60. Jahrestag der Weihe der Warndtdorfkirche ein „Fest der Begegnung“. Starten wird die Feierlichkeit am Samstag, um 20 Uhr mit einem Konzert in der Kirche selbst. „Geplant ist ein abwechslungsreiches Programm mit Chor- und Orgelmusik. Neben den Happy Church Singers aus Schaffhausen, dem neuapostolischen Kirchenchor pro musica, dem Chor Media Vita aus Wehrden und dem Singkreis Troubadix werden Niclas Michely, Steffen Reintgen und Tobias Pfortner unsere Ohren und Augen überraschen“, verspricht der druckfrische Pfarrbrief. Im Anschluss folgt ein Umtrunk mit Abendimbiss in der benachbarten Turnhalle.Der Sonntag beginnt mit dem Festgottesdienst um zehn Uhr. Er wird mitgestaltet durch die Chorgemeinschaft der Schola Emmersweiler, den Kirchenchor Cäcilia Dorf im Warndt und den „Warndtwichteln“ des Kindergartens. Im Mittelpunkt steht die Aufführung der „Heilig Kreuz-Messe/Missa sanctae crucis“, die der junge Geislauterner Niclas Michely geschrieben hat.Nach dem Gottesdienst bietet die Gemeinde mit Hilfe des Berg- und Hüttenvereins und des Warndtknappenchores in der Turnhalle Mittagessen an (Gefillde mit Sauerkraut), ebenso selbst gebackenen Kuchen und natürlich „Zeit für Begegnungen“.

Eine eigene Messe wert

Der junge Musiker und Komponist Niclas Michely. (Foto: Bischöfliche Pressestelle)

Der junge Musiker und Komponist Niclas Michely. (Foto: Bischöfliche Pressestelle)

Der junge Musiker und Komponist Niclas Michely aus Geislautern hat eine weitere Messe komponiert. Die „Heilig-Kreuz-Messe“, sein bereits drittes Werk, wird am Sonntag, 11. September, um 10.30 Uhr in der Kirche Herz Mariä in Dorf im Warndt aufgeführt. Die Messe hat der Komponist nach dem Namen der neuen Großpfarrei im Warndt „Heilig-Kreuz-Messe“ benannt. Eine weitere Aufführung ist am Mittwoch, 14. September, um 18.30 Uhr in St. Wendalinus in Großrosseln, der Pfarrkirche der neuen Warndtpfarrei.

Niclas Michely ist 18, wohnt in Geislautern. „Noch“, sagte er: Am 1. Oktober beginnt er ein duales Studium, als Verwaltungswirt bei der Stadt Saarbrücken. Musik als Brotberuf wollte er lieber nicht; ihm ist offenbar bewusst, dass das nicht einfach ist, auch weil allerorten gespart wird.
Bei der Aufführung in Dorf im Warndt singen der örtliche Kirchenchor, der Chor aus Emmersweiler und Gastsänger. Eine Art Projektchor, meinte Michely. Er selbst spielt Orgel, Tobias Pfortner dirigiert.
Michely kommt aus Bernhard Hayos Streicherprojekt. Irgendwann war ihm das Cello allein zu langweilig, sagte er. Es kamen Klavier und Orgel dazu. Sein erstes Stück, das tatsächlich aufgeführt wurde, hat er mit zehn Jahren geschrieben. Sein Vater ist Stephan Michely, Diplomingenieur Fachrichtung Architektur. Der Geislauterner leitet die Technische Abteilung des Grundstücks- und Gebäudemanagement-Betriebes der Stadt Völklingen.

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